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Nicht nur die Fußball-Welt wird im Sommer in Deutschland zu Gast sein

Wie jedes Jahr kommen auch Kinder aus der Tschernobyl-Region zur Erholung.

(dpa) Ingrid Langrehr hat auf dem großen Tisch in der Diele ihres alten Bauernhauses unzählige Fotos ausgebreitet. Auf den allermeisten sind zierliche Mädchen zu sehen, neun oder zehn Jahre alt. Anna und Irina, Natascha und Katja lachen in die Kamera, mal schüchtern, mal etwas forscher. Sie stammen aus Dörfern nur wenige Dutzend Kilometer entfernt vom ukrainischen Tschernobyl, wo am 26. April 1986 ein Kernreaktor explodierte und die größte Katastrophe in der Geschichte der Atomkraft auslöste.

Nach Deutschland kamen Anna, Irina und all die anderen zur Erholung auf Kosten der Tschernobyl-Hilfe der Evangelisch- lutherischen Landeskirche Hannover.

Schon seit 1991 organisiert sie vierwöchige Aufenthalte für Kinder aus den am stärksten verstrahlten Gebieten. Ingrid Langrehr ist seit 1994 als Gastmutter dabei. "Damals stand im Kirchenblatt, dass Gastfamilien gesucht werden", berichtet sie. Ohne ihren Mann und die beiden Töchter zu fragen, griff sie zum Telefonhörer und rief die Kontaktnummer an. "Ich hab gedacht: "Vier Wochen kannst Du das ja mal probieren" - aus vier Wochen sind nun schon 13 Jahre geworden."

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Jedes Jahr im Sommer erwartet die Kinder auf dem etwa einen Hektar großen Hof der Langrehrs in Nöpke (Region Hannover) Natur pur: Schafe, Gänse und Puten, dazu Wiesen und Felder soweit das Auge reicht.

Natürlich gibt es auch ein festes Programm mit Deutschstunden und Ausflügen. «Aber», meint Ingrid Langrehr: «die sind eigentlich am liebsten auf dem Hof, wollen hier nicht groß weg. "Domoi! Domoi!" ("nach Hause!"), sagen sie immer.»

Dass ihre kleinen Gäste meist kaum Deutsch sprechen und sie kein Russisch beherrscht, ist für die resolute Mittfünfzigerin kein Problem. «Wir verstehen uns immer blendend», lacht sie.

In der größten Not hilft immer ein schwarzer Schnellhefter, den ihr die Pastorin in die Hand gedrückt hat: «Übersetzungshilfe deutsch- russisch». Dort kann sie nachlesen, wie sie den Kindern etwa «Guten Appetit» wünschen kann - wohlgemerkt in lateinischer Schrift, denn kyrillisch kann sie zu ihrem Bedauern nicht entziffern. Außerdem werden die Kindergruppen auch von Dolmetschern begleitet.

Von Tschernobyl und dem GAU im Atomkraftwerk wissen die Jungen und Mädchen wenig. «Dazu sind sie zu jung», meint Langrehr. Sie sind auch nicht akut krank.

«In der Regel leiden die Kinder aber an einer Schwächung des Immunsystems», sagt Lars-Torsten Nolte, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft «Hilfe für Tschernobyl- Kinder» der Landeskirche Hannover.

Nach vier Wochen bei ihren Gastfamilien in Niedersachsen treten die Jungen und Mädchen gestärkt die Heimreise an. Knapp 16 000 Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren hat die Tschernobyl-Hilfe bisher nach Deutschland eingeladen.

Trotz politischer Unwägbarkeiten in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion soll die deutsche Tschernobyl-Hilfe weiter gehen. Auch Ingrid Langrehr und ihr Mann Heinrich (61) sind in diesem Jahr wieder mit dabei. Das Ehepaar ist überzeugt von der sehr persönlichen Hilfe: «Wenn sie in die Augen der Kinder sehen - diese Bestätigung, das ist viel mehr wert als alles andere.»

Kontakt: Landesarbeitsgemeinschaft "Hilfe für Tschernobyl-Kinder", Lars-Torsten Nolte, Telefon +49-(511)-124 1975, www.tschernobyl-hilfe.org

Quelle: dpa, land-der-ideen.de


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