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Kommt Werksschliessung Nokia teuer? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Redaktion   
Sonntag, 20. Januar 2008

NOKIA Werksschließung soll den Konzern teuer kommen

Wie der Weser-Kurier in seiner Ausgabe vom Samstag mitteilte hat der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, angekündigt, im Falle einer definitiven Schließung des Bochumer Nokia-Werkes diese "zu der teuersten zu machen, die in Deutschland je stattgefunden hat".

Im Gespräch mit dem "Weser-Kurier" (Bremen) sagte Wetzel, Nokia müsse durch den "Imageverlust" mit "erheblichen Auswirkungen auf das Kaufverhalten" deutscher Handy-Kunden rechnen. Der IG Metall-Vize sieht auch alle Nokia-Aktionäre in der Pflicht: "Jeder, der noch eine gewisse ethische Verantwortung hat, sollte Nokia spüren lassen, dass er für diese Killermentalität des Konzerns nichts übrig hat", sagte Wetzel.

In der Stahlindustrie droht der IG Metall-Vize, wenige Tage vor der am Montag beginnenden Tarifrunde,  mit Warnstreiks. Wetzel wörtlich: "Wir hoffen auf ein schnelles vernünftiges Angebot der Arbeitgeber. Sollte das nicht der Fall sein, wird es im Februar sofort zu Warnstreiks in den Betrieben kommen." Die 85000 Stahlarbeiter in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fordern acht Prozent mehr Lohn."

Kommentar zur Nokia-Schließung in Allgemeine Zeitung Mainz

Bundesverbraucherminister Seehofer wechselt die Handy-Marke. Sein Finanz-Kollege Steinbrück bezichtigt den finnischen Nokia-Konzern gar des "Karawanen-Kapitalismus". Die 2300 Mitarbeiter des bis dahin florierenden Unternehmens in Bochum schwanken derweil zwischen Zukunftsangst und Empörung. An Solidaritätsbekundungen für die Betroffenen fehlt es ebenso wenig wie an deutlichen Worten wider die Konzernleitung. Das alles wird jedoch nicht helfen. Nokia verlagert seine Produktionsstätte in das EU-Land Rumänien, wo es dem Regelwerk der Europäischen Union folgend ein weiteres Mal auf Brüsseler Unterstützung bei der Industrieansiedlung bauen kann.

Und wie die Nokia-Führung mit ihrem Entschluss zunächst einmal nur betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zur Gewinnmaximierung folgt, sind auch die Abläufe am künftigen Nokia-Standort regelgerecht. Vor diesem Hintergrund geht es auch nicht an, hier ein Exempel unternehmerischer Verantwortungslosigkeit zu wittern. Vielmehr ist es ausschließlich die jetzt besonders laut klagende Politik, die die Weichen für solch einen Akt stellt, indem sie Rahmenbedingungen schafft, die so etwas überhaupt erst ermöglichen.

Deutlich wird an diesem Drama, das nun so viele Menschen in Existenznöte stürzt, aber auch, dass einfache Arbeit in Deutschland selbst im EU-Vergleich noch viel zu teuer ist, Tendenz: steigend. Am Standort Bochum kam hinzu, dass es für das Unternehmen dort strukturelle Probleme gab. Dem Kunden ist all das in Zeiten der Globalisierung jedoch schnuppe. Ihn interessiert der Produktionsort seines Nokia-Handys nicht.  Oder?

Thomas Reisener von der Rheinischen Post zur Nokia Werksschliessung

Unter dem Titel "Nationale Empörung" schreibt T. Reisener: Boykott-Aufrufe kennt man sonst nur aus den Ecken der Gesellschaft. Aber wenn sich sogar Ministerpräsidenten und Teile des ThyssenKrupp-Kapitals für einen Nokia-Boykott aussprechen und die Kanzlerin dazu verständnisvoll nickt, darf man wohl von nationaler Empörung sprechen.

Die Vorstellung, dass neben den Parteien und der Wirtschaft endlich auch einmal der gebündelte Verbraucher-Wille machtvoll Politik betreibt, hat ihren Reiz. Viel zu duldsam nehmen wir Fleischskandale, importierte Kinderarbeit und Kartellabsprachen hin. Was schade ist. Denn mit unserem oft gedankenlosen Konsum verzichten wir auf die Möglichkeit, per Kaufentscheidung abzustimmen.

Ein Käuferstreik gegen Nokia wäre auch gelebte Demokratie. Aber anders als die Fleischmafia verstößt Nokia nicht gegen Gesetze. Erst recht darf sich der Zorn nicht gegen die Kunden richten, denn die haben die Fabrik nicht dicht gemacht. Auch eine Käufer-Demokratie muss Andersdenkende  und sogar Nichtdenkende  aushalten. Also was nun. Boykott oder nicht? Es ist wie bei einer Wahl: Das muss jeder selber wissen. Aber es wäre schon toll, wenn die Nokia-Käufer sich ihres "Trotzdem" wenigstens bewusst wären.

Die WAZ zur Nokia-Schließung

"Subventionen - Auf den Prüfstand - Leitartikel von Thomas Wels"

Noch hat sich der Staub in der Schlacht um das Nokia-Werk nicht gelegt. Viele Fragen sind unbeantwortet. Man möchte schon gerne mehr über die Argumente von Nokia hören, die den Blitz-Rückzug aus Bochum begründen sollen. Das Kostenargument scheint genauso wenig stichhaltig wie der Vorwurf, für Zulieferer sei kein Gelände verfügbar gewesen.

Die Mitarbeiter, aber auch das Land haben das Recht auf plausible Antworten. Es stellen sich allerdings auch drängende Fragen hinsichtlich der Subventionspraxis und damit ans Land NRW. Wieso muss die NRW-Wirtschaftsministerin eigentlich jetzt erst - gut ein Jahr nach Auslaufen der Verpflichtungen, die Nokia mit dem Erhalt von Subventionen eingegangen ist - prüfen lassen, ob diese Verpflichtungen auch eingehalten worden sind? Weshalb hat hier keine laufende Kontrolle stattgefunden?

Es ist gewiss kein Ausweis für den korrekten Umgang mit öffentlichen Geldern, wenn hier mühsame Nachprüfungen nötig sind. Christa Thoben hat Recht: Die Subventionspraxis muss auf den Prüfstand. In der EU, aber auch im eigenen Haus.

Stuttgarter Nachrichten zu Nokia

Was fehlt, ist eine Debatte darüber, warum ein international aufgestelltes Unternehmen wie Nokia überhaupt Subventionen bekommt. Die Politik müsste die Frage beantworten, ob die Millionen nicht viel dringender in der Bildung benötigt werden. Schließlich ist seit Jahren bekannt, dass der Staat hierzulande vergleichsweise zu wenig Geld in die Köpfe der nachwachsenden Generationen investiert. In Schulen ist das Geld gut angelegt. Da kann man sich bei den Milliardensummen, mit denen Unternehmen jedes Jahr geködert werden, nicht immer so sicher sein: Im Fall von Nokia steht jedenfalls fest, dass es eine krasse Fehlinvestition war.

Rumänischer Staat zahlte über 30 Millionen Euro für "NokiaVillage"

Die Vorbereitungen für die Verlagerung des Bochumer Nokia-Werkes ins rumänische Cluj laufen, so die WAZ vom 16.1., offenbar bereits seit Jahren. Seit Anfang 2006 feilten der Bürgermeister und der Premierminister eifrig an diesen Plänen.

Bereits 33 Millionen Euro an öffentlichen Subventionen sind im Vorjahr 2007 geflossen, um dort die Infrastruktur für ein neues "Nokia Village" (Dorf) zu errichten. Dies berichtet die in Essen erscheinende Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Bereits seit 2006 verhandelte die Region Cluj mit Nokia, nachdem die rumänische Stadt Targu-Mures bereits zuvor ihre Chancen auf den Zuschlag verspielt hatte, weil sie die von Nokia verlangte Geheimhaltung brach.

In Brüssel haben die Nokia-Pläne unmittelbar zu dem Verdacht geführt, dass EU-Subventionen - von deutschen Steuerzahlern finanziert - Kahlschlag und Arbeitslosigkeit in Bochum verursacht haben könnten. EU-Kommissionspräsident José Barroso konterte gestern höchstpersönlich: Für die Verlagerung der Arbeitsplätze sei "kein EU-Geld geflossen", sagte er im Gespräch mit dem EU-Abgeordneten Elmar Brok (CDU). Barrosos Behörde räumte jedoch ein, dass Teile der Infrastruktur für das Nokia-Village - immerhin ein zweistelliger Millionenbetrag - aus der EU-Kasse für den, offiziell Tetarom III getauften Industriepark, zugeflossen sein könnten. "Wir prüfen das noch", so ein EU-Beamter.

Quellen: ots/genannte Medien


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